Viele nationale Medien hatten das Urteil des Landgerichtes Dresden vom 3. Dez. 2009, das der Dresdner Künstlerin Erika Lust verbot, ihr Gemälde „Frau Orosz wirbt für das Welterbe“ weiter zu verbreiten, als „Provinzposse“ charakterisiert“ (Spiegel). Nun kommt diese Posse erneut zur Aufführung: Diesmal auf der Bühne des Oberlandesgerichtes Dresden (Schloßstraße 1, Saal 2.5) Zeit der Aufführung:: der 8 April 2010, 9 Uhr.
Der Inhalt des Stückes ist schnell erzählt: Eine Oberbürgermeisterin (die von Dresden) fühlt sich durch das Gemälde der Künstlerin Erika Lust, auf dem sie fiktiv nackt vor der fiktiven Waldschößchenbrücke dargestellt wird, in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt.
Die Künstlerin besteht darauf, dass diese Darstellung künstlerisch, satirisch aber auch politisch die Situation des Jahres 2009 reflektiert, in dem Dresden als erste europäische Stadt das Weltkulturerbe wegen der Waldschlößchenbrücke aberkannt wurde. Die Richter wollen in der Darstellung ein sexistisches Abbild der Oberbürgermeisterin erkennen.
Unter Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe von 250.000€ (ersatzweise Haft) untersagte das Landgericht die Verbreitung des Werkes im Internet und in sonstiger Form. Das Bild hatte zwar längst den Eigentümer gewechselt, aber die Urheberin selbst musste so ihr Werk praktisch aus ihrer künstlerischen Biografie streichen
Nach Auffassung vieler Verfassungsexperten: ein Fall von Zensur, der, sollte er rechtskräftig werden, als Musterurteil gegen die Kunstfreiheit in die deutsche Rechtsgeschichte eingehen könnte. Nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik wurde ein Gemälde einer solch drastischen Zensurmaßnahme unterzogen. Pikant: Das Landgericht sah es als besonders schwerwiegend an, dass des sich bei der abgebildeten um eine Amtsträgerin handelt. Also doch ein politisches Urteil?
So geht es bei der Berufsverhandlung im Einstweiligen Verfahren um nichts geringeres als die Kunstfreiheit und damit die Verteidigung des Artikels 5 des Grundgesetzes.
Im Gegensatz zu Frau Lust, lässt sich die Dresdner Oberbürgermeisterin den Prozess vom Steuerzahler bezahlen!



