Das ist der Ursprungstext Lohmeyers:
»Um es vorweg zu nehmen: Das Schweizer Minarett-Verbot ist ebenso albern wie der Protest dagegen. Man kann einerseits einer grundsätzlichen kulturellen Frage nicht mit Bauvorschriften begegnen; andererseits schränken die Schweizer ja nicht die Religionsfreiheit ein, sondern haben allenfalls eine städtebauliche Entscheidung getroffen.
Erfreulich ist allerdings, dass eine Diskussion neu angestoßen wurde. Nämlich die, wie weit im aufgeklärten Europa die Toleranz gegenüber eine Weltanschauung gehen sollte, die unsere Werte weitgehend negiert. Erstaunlich ist andererseits, dass diese Toleranzbereitschaft gerade in einem Lager weit verbreitet ist, das durch konsequentes Gendern die Geschlechterunterschiede soweit aufheben will, dass die Deutsche Sprache durch Wortschöpfungen wie TeilnehmerInnen, BürgerInnen und SalzstreuerInnen konsequent verhunzt wird. Wie kann es angehen, dass ausgerechnet in diesem Lager die bedingungslose Toleranz gegenüber einer Weltanschauung gepredigt wird, in der Frauen zwangsweise genitalverstümmelt oder zwangsverheiratet werden, in deren Namen Schwule an Baukränen aufgehängt und Ehebrecherinnen gesteinigt werden?
Tatsache ist, dass der Islam eine aggressive und expansive Weltanschauung ist (wobei die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus so sinnvoll ist wie die zwischen Terror und Terrorirmus), die soweit geht, dass inzwischen selbst für Großbritannien die Scharia als Gesetz gefordert wird.
Tatsache ist weiterhin, dass der Islam das Zeitalter der Aufklärung, das im christlichen Abendland zur schlußendlichen Trennung von Staat und Kirche führte, noch nicht durchlebt hat. Und die schlussendliche Frage ist, welchen Freiraum wir einer Weltanschauung, die der unseren gut 500 Jahre hinterherhinkt, in unseren freiheitlichen Gesellschaften einräumen wollen ˆ auch in dem Wissen, dass solche Freiräume massiv missbraucht werden.
Das ist die frisierte und deutlich abgeschwächte Fassung des Ursprungstextes auf www.johanneslohmeyer.de
Zum Minarett-Verbot
1. Dezember 2009
Am vergangenen Sonntag votierten die Schweizer mit überragender Mehrheit für das Verbot, Moscheen mit weiteren Minaretten auszustatten. Die Proteste aus dem linken Lager ließen nicht lange auf sich warten und gingen bis zu Boykottaufrufen für Produkte aus der Schweiz.
Um es vorweg zu nehmen: Das Schweizer Minarett-Verbot ist ebenso albern wie der Protest dagegen. Man kann einerseits einer grundsätzlichen kulturellen Frage nicht mit Bauvorschriften begegnen; andererseits schränken die Schweizer ja nicht die Religionsfreiheit ein, sondern haben allenfalls eine städtebauliche Entscheidung getroffen.
Erfreulich ist allerdings, dass eine Diskussion neu angestoßen wurde. Nämlich die, wie weit im aufgeklärten Europa die Toleranz gegenüber eine Weltanschauung gehen sollte, die unsere Werte nur sehr eingeschränkt akzeptiert. Erstaunlich ist hierbei, dass diese Toleranzbereitschaft gerade in einem Lager weit verbreitet ist, das durch konsequentes Gendern die Geschlechterunterschiede soweit aufheben will, dass die Deutsche Sprache durch Wortschöpfungen wie TeilnehmerInnen, BürgerInnen und SalzstreuerInnen konsequent verhunzt wird. Wie kann es angehen, dass ausgerechnet in diesem Lager die bedingungslose Toleranz gegenüber einer Weltanschauung gepredigt wird, in der Frauen zwangsweise genitalverstümmelt oder zwangsverheiratet werden, in deren Namen Schwule an Baukränen aufgehängt und Ehebrecherinnen gesteinigt werden?
Tatsache ist, dass der Islam zum Teil als eine aggressive und expansive Weltanschauung praktiziert wird, die soweit geht, dass inzwischen selbst für Großbritannien die Scharia als Gesetz gefordert wird. Tatsache ist weiterhin, dass der Islam das Zeitalter der Aufklärung, das im christlichen Abendland zur schlussendlichen Trennung von Staat und Kirche führte, noch nicht durchlebt hat. Und die schlussendliche Frage ist, welchen Freiraum wir einer Weltanschauung, die mit zum Teil mittelalterlichen Normen der unseren Jahre hinterherhinkt, in unseren freiheitlichen Gesellschaften einräumen wollen – auch in dem Wissen, dass solche Freiräume massiv missbraucht werden können.
Religionsfreiheit bedeutet auch, eine Religion kritisieren zu dürfen, ohne gleich unter Polizeischutz gestellt werden zu müssen wie die Mitarbeiter der dänischen Zeitschrift Jyllands Posten oder gar für eine religionskritische Reportage ermordet zu werden wie der niederländische Filmemacher Theo van Goch. Gerade der Karrikaturenstreit hat gezeigt, dass wir in Europa inzwischen zu bedingungslosem Appeasement neigen und bereit sind, unsere Freiheiten in vorauseilendem Gehorsam aufzugeben.
Unser Ziel muss ein kritischer Dialog sein, in dem wir tolerant sind, diese Toleranz aber uneingeschränkt auch einfordern. Nur so kann man sich auf Augenhöhe begegnen. Unser Ziel muss sein, dass Minarette und Kirchtürme gleichermaßen selbstverständlich gebaut werden dürfen. In Dresden wie in Riad.
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